#1

Kiefer-Djembe aus Niederösterreich

in Djembe bauen, reparieren und pflegen 04.02.2013 15:13
von raphael • 629 Beiträge | 6362 Punkte

Hallo Leute!

Anderorts im Forum wäre sicher eine Diskussion über die Problematik von Holzimporten aus Ländern der Sahel-Zone nützlich, ich jedenfalls habe immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich nach den wunderschönen westafrikanischen Hölzern giere.
Die traditionellen verwendeten Holzarten sind hart und nochmals härter.
Es gibt heimische Hölzer ähnlichen Härtegrades, z.B. Pockholz, aber das gibt vom Durchmesser nicht mehr her, als den Griff eines größeren Schnitzmessers. Darauf kann man dann klopfen, ohne dass es gleich fasert und splittert.
Aber ich schweife ab.

Meine Erfahrungen mit heimischen Hölzern sind begrenzt, nämlich auf drei.

Eine Djembe schlug ich für einen Freund aus dem Stamm von Pinus nigra heraus, der Schwarzföhre, gewachsen auf der Lieblingsanhöhe über seinem Heimatort. Dokumentiert ist leider nichts, aber hier zwei Bilder vom Endzustand:

http://img819.imageshack.us/img819/2534/thomastrommel1.jpg


http://img143.imageshack.us/img143/8568/sa400116i.jpg

Diese Djembe klingt ausgezeichnet! Sie verfügt vor allem auch über Wucht.

Meine zweite Erfahrung betrifft eine Djembe aus Kirsche, deren Korpus bekam ich als "sibirisches Reiseklo" auf dem Flohmarkt um 15 Euro. Irgendwo muss ein Photo vom Endprodukt sein, aber ich finde es nicht.

Die dritte Erfahrung betrifft eine weitere Kiefer-Djeme, diesmal aus einer Rotföhre, die man als Weißkiefer besser kennt.
Sie wurde im Waldviertel aus verleimten Holzstäben hergestellt --- nicht in der Daubentechnik wie z.B. eine Conga, sondern unregelmäßig aus Resten. Das Holz ist weicher als das der ersten Trommel, sie wurde mit der Kettensäge innen groß ausgehöhlt und außen einfach überdrechselt. Meine Arbeit war es zunächst, die Djembe innen zu glätten.


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Jetzt sieht es innen nach der Arbeit mit dem Scorp und dem Schleifen so aus:


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Ich wollte mich danach etwas verwirklichen, richtig gut schnitzbar ist das Holz ja nicht, aber Wülste gehen immer.
Es sollten fünf unten und einer oben werden:


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Nach getaner Arbeit und Feinschliff plus Ölung, Schnürung mit zweifarbigen 5 mm PES-Leinen, dickes Ziegenfell:



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Ich finde das Ergebnis gelungen, die Kiefer-Trommel klingt trocken im Slap, hat einen guten Bass und einen schönen Tone, was sie nicht hat, ist die Wucht einer dichten Hartholzdjembe, aber sie ist im Anschlag vielseitig und schön ist sie obendrein.

http://img837.imageshack.us/img837/1944/kieferfertig002.jpg

Mit freundlichen Grüßen
Raphael

zuletzt bearbeitet 04.02.2013 15:28 | nach oben springen

#2

RE: Kiefer-Djembe aus Niederösterreich

in Djembe bauen, reparieren und pflegen 04.02.2013 17:58
von sabineoh • 277 Beiträge | 2855 Punkte

Hallo Raphael,

wunderschööööön, vor allem auch die Maserung.

Von wegen, Wülste gehen immer ... so was muss ich erst noch lernen, habe mich bisher nicht getraut, da was reinzuschnitzen.

Viele Grüße
Sabine

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#3

RE: Kiefer-Djembe aus Niederösterreich

in Djembe bauen, reparieren und pflegen 04.02.2013 19:10
von raphael • 629 Beiträge | 6362 Punkte

Hallo Sabine!

Danke!
Meine ganz persönliche Wulstanleitung:

1. Genau anzeichnen, ein Streichmaß ist hilfreich, aber kein Muss.
2. Mit der Feinsäge rundum den Bleistiftstrich einsägen, nicht mit Druck und Gewalt vorgehen, sondern stetig mehrmals rundum sägen.
3. Mit dem Stemmeisen und einem Klöpfel (kann auch Gummihammer sein) von beiden Seiten der Sägespur einige mm zu einem breiten V einstechen.
4. Mit grober Feile und feiner Feile Rundung formen und glätten.
5. Schleifpapier mit Klotz ab 120 bis 180, oder 240. Dreiecksschleifer möglich.
6. Ölen
7. Ölen mit Polierpulver, zunächst mit Pinsel, dann mit Tuch.
8. Bürsten, Bürste dabei immer wieder Rückständen des Polierstaubs sauberwischen.
9. Ölen
10. Bei Harthölzern kann Polieren mit gewachstem Lammfell und einer Auto-Poliermaschine folgen, bitte aber keine Autopolitur verwenden, sondern Naturwachs.

Viel Erfolg!

Mit freundlichen Grüßen
Raphael

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#4

RE: Kiefer-Djembe aus Niederösterreich

in Djembe bauen, reparieren und pflegen 04.02.2013 19:25
von sabineoh • 277 Beiträge | 2855 Punkte

Hallo Raphael,

womit ölst du am liebsten? Ich habe was von Olivenöl gelesen. Wenn ich ich so sehe, was auf dem Holzveredelungsmarkt alles an Ölen existiert, verliert man als Freizeit-Holzwurm leicht den Überblick. Und Polierpulver? Ich bin für Einkaufstipps dankbar. In den nächsten Tagen bekomme ich einen Iroko-Korpus, der mit Sicherheit nach allerlei Verbesserungen und Veränderungen ruft.

Deine Wulstanleitung drucke ich mir gleich aus. Vielen Dank dafür.

Viele Grüße
Sabine

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#5

RE: Kiefer-Djembe aus Niederösterreich

in Djembe bauen, reparieren und pflegen 04.02.2013 19:40
von raphael • 629 Beiträge | 6362 Punkte

Hallo Sabine!

Ich verwende tatsächlich Olivenöl, aber du kannst Naturöle anderer Art verwenden, da gibt es genug auf dem Markt.
Mein Freund ist Tischler, er hat mir das empfohlen unter dem Zusatz, ich solle mir ums Ranzigwerden keine Sorgen machen.
So ist es bislang.
Poliermehl heißt das wohl in Deutschland, Bimsmehl ist gemeint.
Ich habe das von der Drechslertechnik.

Mit freundlichen Grüßen
Raphael

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#6

RE: Kiefer-Djembe aus Niederösterreich

in Djembe bauen, reparieren und pflegen 04.02.2013 20:14
von sabineoh • 277 Beiträge | 2855 Punkte

Hallo Raphael,

ich bin im Büro einer Tischlerei tätig - werde mal meinen Meister befragen, mal sehen, was der sagt. Leinöl mag ich vom Geruch nicht, da wäre Olivenöl allemal angenehmer.

Viele Grüße
Sabine

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